Weyerhofstraße

Der März des Revolutionsjahres 1848 und der Weyerhof in Crefeld
© Raphael Schmitz

Auszüge aus dem Tagebuch des Peter von Beckerath über die politischen Vorgänge und die Teilnahme seines Sohnes Hermann, des späteren Reichsfinanzministers:

März 1848. …Unruhe und Aufregung allenthalben. …

4. März. …In einem Extrablatt der Kölner Zeitung heißt es, daß gestern Abend die Ruhe der Stadt Köln auf eine bedenkliche Art gestört sei. Ein Volkshaufe hatte sich auf dem Rathausplatz, gerade als der Gemeinderat versammelt war, unter Geschrei versammelt, und eine Abteilung davon war mit Anführern an der Spitze in den Saal eingedrungen und hatte den Gemeinderat gleichsam mit Gewalt aufgefordert, im Namen des Volkes eine Petition an den König zu unterschreiben, deren wesentlicher Inhalt war: Allgemeine Volksbewaffnung, allgemeine Kindererziehung auf Kosten des Staates – und des Zeugs mehr. – Die bewaffnete Macht war eingeschritten und hatte einige Rädelsführer arretiert und die Masse zerstreut. Da Hermann in Köln anwesend ist, werden wir bei dessen hoffentlicher Zurückkunft heute Abend näheres erfahren. Dem Vernehmen nach soll hier in Crefeld heute Abend ebenfalls in den unteren Räumen der Gesellschaft Verein eine Versammlung von Bürgern stattfinden, um über den Stand der Dinge zu beraten. ….

Die bewaffnete Macht war eingeschritten und hatte einige Rädelsführer arretiert und die Masse zerstreut

© Raphael Schmitz

20. März. Gegen 10 Uhr in unserer stillen Familie zur Ruhe … Aber als wir nach einem ruhigen Schlaf am Morgen frisch und munter zusammentraten, welche Kunde vernahmen wir da! Eine förmliche Straßenmeute hatte am vergangenen Spätabend stattgefunden: Eine freche Rotte aus der niedrigsten Volksklasse, begleitet von einer Menge Gassenbuben, war von Außen aus ihren Versammlungswinkeln in die Stadt hereingebrochen und begann gegen 10 Uhr unter Schreien und Toben die Straßen zu durchziehen. …

Heute am 21. März war wiederum große Aufregung unter dem Volke…. Die Versammlung auf dem Friedrichsplatz hatte einen solchen Andrang, und zwar hauptsächlich von Weibern und Kindern aus der niederen Volksklasse herbeigezogen, … Das Weibsvolk, mit den schmutzigen Kindern auf dem Arm, behauptete sich dennoch auf dem Friedrichsplatz, …

Um 7 Uhr ertönte indessen die Brandglocke, und neuer Schrecken bemächtigte sich aller Gemüter. Weyershof war das Ziel der Brandstifter gewesen, um die Mannschaften aus der Stadt zu locken und dabei einen Gewaltstreich ungestört ausführen zu können. Die Scheune war an vier Stellen zugleich angezündet worden. Die Behörde ließ sich dadurch nicht irre machen, die Sicherheitswache setzte in verdoppelter Stärke ihren Patrouillengang fort, der Brand war bald gelöscht und der gottlose Plan gescheitert.

Quelle: „Heimat“ Nr. 24 S. 119 ff

Erinnerungen an die Mitte des vorigen Jahrhunderts

Die Straße war von der Hülser Straße bis zur Prinzenbergstraße in regelmäßigen Abständen mit Rotdornbäumen bepflanzt, die leuchteten im Mai und Juni im prächtigen Blütengewand. Weyerhofstraße 3 oder 5 beherbergte den Salon Bruckes (erste Haarschnitte), links, wo jetzt (2008) ein Matratzenlager beheimatet ist, war ein Lebensmitteldiscounter (?), rechte Ecke Hülser Straße/Weyerhofstraße eine Kneipe (nach Neubau Ende der 60er Jahre „Am Weyerhof“, heute Hotel/Pension?). Hinter den Schluffbahnschranken stand rechts die Lackfabrik Wolters und ein anschließendes Kleingartenareal (Zastrowstraße oder Zastroffstraße, war dem Kleingartenbauverein Inrath-Mitte angeschlossen).

Linker Hand waren die Bebauungen der Verseidag, diese beherbergten die Textildruckerei und das Heizkraftwerk. Daran schlossen sich die Gebäude der Textilappreturfabrik Flores an, gegenüber, auf der rechten Seite der Weyerhofstraße war eine Ruderalfläche, von den Kindern des weit dahinterliegenden Wohnblocks Weyerhofstraße/Prinzenbergstraße als „Jüdde“ bezeichnet. Das Heizkraftwerk von der Verseidag entsorgte dort seine Ofenschlacke, die wiederum von den wenig begüterten Mitmenschen aus den Barackensiedlungen „Birkschen Weg“ und „Birkschen Dyk“ nach verkoksten verheizbaren Resten durchwühlt wurden. Rechts anschließend kamen die ersten Nachkriegsbebauungen, ein Wohnhaus und eine Strickerei – später zog die Druckerei Höntges in das Gebäude der Strickerei (heute eine Buchbinderei?). Das erste Lebensmittelgeschäft war gegenüber der Weyerhofstraße 97 in einer Garage, „Vivo“ Korf. Später zog es in einen Neubau Ecke Brockerhofstraße und Weyerhofstraße, und hieß dann „Kempkens“.

Quelle: krefeld-wiki.de

Eckstein (Frau Eckstein war [1953] Lehrerin in der Volksschule 36, Sohn Ulli Eckstein Eishockeyspieler), Obermann (Eishockeyspieler, hatte Verwandte auf der Weyerhofstraße), „Kroni“ Kronenberg (Eishockey? Fußball?), Gebrüder Fengels, „Primel“, „Zorro“, „Aap“, „Manni“ und „Schmähling“ Holtmann, die „Gröters-Blagen“, dä „Mommertz“(?), „Kakki“, „Paddy“, „Little“, „Lalla“, „Kalla“, „Bommel“, die Frau Leschnig nicht vergessen, die unglücklicherweise mal nen Ball vor den Kopp getreten bekam, als sie das Fenster zum Hof öffnete. (Sicher fehlt hier noch die eine oder andere Weyerhofstraßen-‘Berühmtheit‘, aber mein Gedächtnis, mein Gedächtnis…).

Zuerst erschienen im Streuner #2 – Krefeld ackert – Dezember 2013